Systemvergleich zwischen AC- und EC-Motoren

Ventilator- und Gebläseantriebe: Ein Systemvergleich zwischen Asynchronmotoren und elektronisch kommutierten Motoren.


1. Einleitung

Für Gebläse und Ventilatoren werden heute in vielen Anwendungsfällen Asynchronmotoren mit Kurzschlußläufer eingesetzt. Dieses Motorprinzip hat sich seit seiner erstmaligen Vorstellung im Jahre 1889 in vielen Bereichen bewährt. Die Asynchronmotoren zeichnen sich durch ihren einfachen, dadurch robusten und im Prinzip verschleißfreien Aufbau aus. Diese Eigenschaften waren in der Vergangenheit sicherlich die wesentlichen Argumente. Heute wird die hohe Verfügbarkeit einer Antriebslösung als selbstverständlich vorausgesetzt. Durch den globalen Einsatz, das größere Verantwortungsbewußtsein gegenüber unserer Umwelt und aufgrund der schnellen und flexiblen Reaktion als entscheidender Erfolgsfaktor treten heute andere, zusätzliche Eigenschaften in den Vordergrund.

Im Bereich kleiner Leistungen haben elektronisch kommutierte, permanentmagneterregte Motoren (EC-Motoren) bereits in vielen Fällen eine vorteilhaftere Lösung schaffen können als die herkömmlichen Asynchronmotoren. Für größere Leistungen waren die bisher verfügbaren alternativen Antriebssysteme jedoch mit höheren Kosten verbunden und durch ihre vom Motor getrennte Elektronik oftmals kompliziert und fehleranfällig. Durch Fortschritte im Bereich der magnetischen Werkstoffe und elektronischen Bauelemente und durch innovative Konzepte kann ebm-papst heute kostengünstige Antriebslösungen für Ventilatoren mit EC-Motoren auch im kW-Bereich bereitstellen, die nicht mit den bisherigen Nachteilen behaftet sind.

Beide Motorprinzipien haben anwendungsabhängig ihre Vorteile und damit ihre Berechtigung. Die Auswahl der optimalen Lösung liegt aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten nicht immer klar auf der Hand. Im folgenden sollen daher die Eigenschaften beider Motorarten zusammenfassend verglichen und aus heutiger Sicht bewertet werden. Die Angaben beziehen sich hierbei in erster Linie auf die für Ventilatoren vorteilhaften Außenläufermotoren im Leistungsbereich von 0,5 bis 4 kW.

2. Drehzahlstellung

Das entscheidende Argument für eine Drehzahlstellung ist das Potenzial der Energieeinsparung und der Geräuschreduzierung. Besonders bei Ventilatoren macht sich die bedarfsgerechte Betriebspunkteinstellung deutlich bemerkbar, da sich die aufgenommene Leistung mit der dritten Potenz der Drehzahl ändert. Abgesehen vom energetischen Gesichtspunkt ist die Reduzierung der Strömungsgeräusche im Teillastbetrieb notwendig und teilweise bereits gesetzlich vorgeschrieben. Um beiden Gesichtspunkten gleichermaßen Rechnung zu tragen, werden Drehzahlstellmethoden gefordert, die eine kontinuierliche Drehzahlveränderung und einen über den gesamten Stellbereich geräusch- und schwingungsarmen Betrieb bei gleichzeitig hohem Wirkungsgrad gewährleisten.

Im Bereich kleinerer Leistungen existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden zur Drehzahlstellung von Asynchronmotoren. Die traditionellen Schlupf-Steuerungen können die heutigen Anforderungen an einen Antrieb im kW-Bereich jedoch nicht mehr erfüllen. Stand der Technik ist der Frequenzumrichterbetrieb (FU-Betrieb).

Bei den EC-Motoren erlaubt die für den Betrieb des Motors ohnehin erforderliche Kommutierungselektronik gleichzeitig die Drehzahlstellung.

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Abbildung 1: Drehmoment- und Wirkungsgradverläufe eines Drehstromasynchronmotors bei FU-Betrieb (energieoptimierte U-f-Steuerung), oben, und eines ebm-papst-EC-Motors mit Ventilatorlastkennlinie, unten.

Der Einsatz eines Frequenzumrichters ermöglicht die Drehzahlstellung des Asynchronmotors mit hohem Wirkungsgrad, sofern eine gute Abstimmung auf den Motor und auf die Lastverhältnisse erfolgt (Abbildung 1). Von Vorteil zeigt sich beim EC-Motor das grundsätzlich breite Wirkungsgradmaximum max. Der EC-Motor arbeitet ohne besondere Anpassung an die Drehzahl- und Lastverhältnisse über einen breiten Stellbereich mit nahezu höchstmöglichem Wirkungsgrad. Diese Eigenschaft erlaubt eine unproblematische Applikation.

3. Einsatz von Einzelkomponenten im Vergleich zu integrierten Lösungen

Obwohl in vielen Bereichen ein begründeter Trend zur Dezentralisierung und Integration besteht, sind Drehzahlsteller für Asynchronmotoren – zumindest bei den Ventilatorantrieben mit Außenläufer – heute noch überwiegend als separate Geräte ausgeführt. Es werden Standard-Asynchronmotoren mit zusätzlichen Drehzahlstellern kombiniert.

Bei der Verwendung eines kostengünstigen, für den direkten Netzbetrieb ausgelegten Asynchronmotors mit einem zusätzlichen Drehzahlsteller, kann zwar auf den ersten Blick eine kostengünstige drehzahlvariable Lösung geschaffen werden, jedoch können infolge unzureichender Abstimmung der einzelnen Komponenten Probleme auftreten, die zur Reduzierung der Lebensdauer oder zum Ausfall führen und letztendlich erhebliche Mehrkosten mit sich bringen. Häufige Schwierigkeiten sind umrichterbedingte Lagerschäden, Schädigungen der Wicklungsisolation, unzulässige Störaussendung oder Netzrückwirkungen. Die Auswahl, Konfiguration und Inbetriebnahme solcher Lösungen setzt ein erhebliches Maß an Fachwissen voraus. Resultierende Probleme sind nicht immer unmittelbar ersichtlich. Schlecht konfigurierte Systeme können langfristig höhere Energiekosten für den Betreiber bedeuten. Durch Verwendung von integrierten Lösungen lassen sich solche Schwierigkeiten vermeiden.

Externe Drehzahlsteller können dann zu einer vorteilhaften Lösung führen, wenn mehrere Motoren parallel betrieben werden müssen. Eine solche Gruppensteuerung ist bei drehzahlvariablen Anwendungen jedoch nur mit Asynchronmotoren sinnvoll möglich.

Bei EC-Motoren bilden Elektronik und Motor prinzipbedingt eine funktionelle Einheit. Dies hat den Nachteil, dass der Motor für einfache Anwendungen nicht ohne Elektronik direkt am Versorgungsnetz betrieben werden kann. Die starke Bindung an die Elektronik führte jedoch im Bereich der Ventilatorantriebe mit Außenläufermotoren auch zu wesentlichen Fortschritten. Gegenüber der herkömmlichen Asynchronmotor-Frequenzumrichterkombination sind von ebm-papst heute hochentwickeltere integrierte EC-Lösungen verfügbar (Abbildung 2). Die optimale Abstimmung von Motor und Elektronik erfordert für den Anwender praktisch keine Berücksichtigung der obengenannten Problempunkte.

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Abbildung 2: ebm-papst-Axialventilator der Baugröße 800 mit EC-Motor und integrierter Elektronik (links). Anschlussbereich der Elektronik für Versorgungs- und Steuerleitungen (rechts).

Die integrierte Elektronik der ebm-papst-Motoren bietet weitere Funktionen und Eigenschaften, die zur Reduzierung der Systemkosten beitragen. Einige davon sind im folgenden stichpunktartig zusammengefasst:

  • Regelung auf Drehzahl, externe Größe (zum Beispiel Temperatur, Druck), Druck oder Volumen ohne zusätzlichen Sensor (bei vorwärtsgekrümmten Radialgebläsen)
  • Begrenzung auf maximale Drehzahl, Leistung oder Drehmoment
  • Analoge oder digitale Sollwert- bzw. Stellsignalvorgabe nach den heutigen Industriestandards
  • Frei wählbarer Zusammenhang zwischen Stellsignal und Drehzahl (Drehzahlstellcharakteristik)
  • Vernetzung zum Beispiel über ebmBUS (RS485) oder LON
  • Schnellstoppfunktion
  • Betrieb in einem weiten Spannungsbereich und bei unterschiedlichen Frequenzen
  • Niedrige Einschalt- und Hochlaufströme
  • Erfüllung internationaler Vorschriften und Richtlinien
  • Schutzart IP54
  • Geringer Aufwand für die Installation und Inbetriebnahme

4. Geräuschverhalten

Die Drehzahlstellung kann das Geräuschverhalten negativ beeinflussen. Die in solchen Fällen erforderliche, oft nachträgliche Problembeseitigung durch sekundäre Maßnahmen, wie zum Beispiel zusätzliche Filter, Entkopplung oder Isolation, ist in der Summe erfahrungsgemäß mit höheren Kosten und einem größeren Platzbedarf verbunden, als die grundsätzliche Verwendung einer geräuscharmen drehzahlvariablen Antriebslösung.

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Abbildung 3: Schalldruckpegel über der Drehzahl einer typischen Anwendung der Kälte-/Klimatechnik: Verflüssiger mit angebautem Axialventilator mit einem Drehstromasynchronmotor (links) und einem EC-Motor (rechts).
1: Phasenanschnittsteuerung, 2: Herkömmlicher Frequenzumrichter (4 kHz Taktfrequenz), 3: Moderner Frequenzumrichter (16 kHz Taktfrequenz, RZM), 4: Herkömmlicher EC-Motor, 5: ebm-papst-EC-Motor

Der Einsatz eines zeitgemäßen Frequenzumrichters ermöglicht einen ruhigen Betrieb des Asynchronmotors. EC-Motoren von ebm-papst arbeiten im gesamten Stellbereich aufgrund der guten Abstimmung von Motor und Kommutierungselektronik schwingungs- und geräuscharm und liefern ohne zusätzliche Maßnahmen auch in sensiblen Anwendungen gute Ergebnisse (Abbildung 3).

5. Leistungsaufnahme, Wirkungsgrad und Ausnutzung

Nachfolgend werden zwei in der Polzahl verschiedene Drehstromasynchronmotoren mit demselben EC-Motor im jeweils gleichen Betriebspunkt verglichen. Die Asynchronmotoren werden hierbei in ihrem Wirkungsgradmaximum betrieben. In der praktischen Anwendung ergibt sich bedingt durch die veränderliche Lastkennlinie und die ausgeprägte Wirkungsgradspitze des Asynchronmotors im Mittel ein schlechterer Wirkungsgrad. Die Asynchronmotoren werden ohne Umrichter direkt am Drehstromnetz betrieben, wohingegen beim EC-Motor die Verluste der Kommutierungselektronik in den Angaben enthalten sind. Der Vergleich stellt daher den bestmöglichsten Einsatzfall zugunsten des Asynchronmotors dar.

Drehstrom-asynchron-
motor
ebm-papst-
EC-Motor
Drehstrom-asynchron-
motor
ebm-papst-
EC-Motor
Ausführung 36 Nuten /
4 Pole
12 Nuten /
8 Pole
36 Nuten /
6 Pole
12 Nuten /
8 Pole
Betriebspunkt 11 Nm bei 1400 1/min 11 Nm bei 920 1/min
Wirkungsgrad 79 % 89 % 76 % 85 %
Ausnutzungsfaktor (CT) 7,6 12,2 7,6 12,2
Aufnahmeleistung 2,04 kW 1,81 kW 1,39 kW 1,24 kW
Leistungsdifferenz 230 W 150 W

Das Ergebnis zeigt die Ausnutzungs- und Wirkungsgradvorteile des EC-Motors. Aufgrund der vorteilhaften Ausführung des ebm-papst-EC-Motors in Einzelzahnwicklung werden auch bei Verwendung von kostengünstigen Ferrit-Magneten Wirkungsgrade von annähernd 90% erreicht. Bei herkömmlichen EC-Motoren mit traditioneller Wickeltechnik erfordert dies die Verwendung von kostspieligeren Permanentmagneten oder einen größeren Materialeinsatz. Dadurch resultiert eine kurze Amortisationszeit des ebm-papst-EC-Motors (Abbildung 4). Die Motoren sind für eine typische Lebensdauer (L10) von mindestens 40.000 Betriebsstunden ausgelegt, wobei eine für Ventilatoranwendungen übliche Temperatur- und Lastverteilung zugrundeliegt.

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Abbildung 4: Betriebskosteneinsparung beim Einsatz eines EC-Motors über seiner Laufzeit für verschiedene Energiekostensätze (Beispiel aus obiger Tabelle).

6. Zusammenfassung und Empfehlung

Für Ventilatoren ist der EC-Motor das technisch bessere Motorprinzip. Bisherige Nachteile der höheren Gesamtkosten oder der zusätzlich anzuschließenden externen Elektronik wurden von ebm-papst durch innovative Lösungen beseitigt. Dadurch können nun auch Anwendungen von den Vorteilen des EC-Motors profitieren, die aus Kostengründen bisher ausschließlich den Asynchronmotoren vorbehalten waren.

Feste Drehzahl:

Bei direktem Netzbetrieb bietet der Asynchronmotor noch Kostenvorteile, sofern die Einschaltdauer gering ist und damit der Wirkungsgrad unbedeutend wird. Bereits bei mittlerer Einschaltdauer stellt sich der effizientere EC-Motor über die Nutzungsdauer gesehen vorteilhafter dar. Die Energiekosten werden bei einer Kalkulation oftmals gegenüber den Anschaffungskosten als zweitrangig betrachtet, da sie nicht unmittelbar als greifbarer Betrag vorliegen und den Betreiber erst längerfristig belasten.

Neben den Betriebskosten ist heute auch der logistische Aspekt maßgebend: Ein und derselbe EC-Motor kann in einem weiten Drehzahl- und Spannungsbereich bei unterschiedlichen Frequenzen eingesetzt werden. Eine Berücksichtigung unterschiedlicher Polzahlen wie beim Asynchronmotor ist nicht mehr notwendig.

Variable Drehzahl:

Das Asynchronmotorprinzip erlaubt den Betrieb mehrerer Motoren an einem Frequenzumrichter (Gruppensteuerung). Die unter Umständen höheren Anschaffungskosten der dezentralen EC-Lösung amortisieren sich wie beim direkten Netzbetrieb jedoch bereits bei mittlerer Einschaltdauer über die Betriebskosteneinsparung. Eine dezentrale Lösung bietet weitere Vorteile: Eine einfache und flexible Projektierung, eine reduzierte Variantenzahl und Redundanz beim Ausfall.

Gegenüber einem Asynchronmotor mit eigenem Frequenzumrichter stellt der EC-Motor für Ventilatoren im Bereich bis 4 kW sowohl technisch als auch wirtschaftlich eindeutig die vorteilhaftere Lösung dar. Bei vergleichbaren Anschaffungskosten bieten die ebm-papst-EC-Motoren mit integrierter Elektronik bei kleinerer Baugröße einen höheren Wirkungsgrad und dadurch geringere Betriebskosten.

Schlagworte: Elektrische Antriebe, Antriebstechnik


Quelle: ebm-papst Mulfingen GmbH & Co.KG

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