

Die Datenübertragung über Stromleitungen wird Powerline Communication (PLC) genannt, die Übertragung über Mittel- und Niederspannungsnetze Schmalband-PLC. Professor Ralf Lehnert, Inhaber des Lehrstuhls Telekommunikation an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden, erklärt, warum dieses neue Kommunikationsnetz nötig ist: „Mit Schmalband-PLC bewegen wir uns in einem zugelassenen Frequenzband, wo Störungen anderer Nutzer nicht auftreten. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum schon heute vielfältig genutzten Breitband-PLC. Außerdem können mit Schmalband-PLC wesentlich größere Reichweiten erreicht werden. Und die modernen, aus dem Mobilfunk bekannten Modulationsverfahren, z.B. OFDM, erlauben auch bei Schmalband-PLC Datenraten von bis zu 100 kBit/s, was für unsere Projektziele ausreichend ist.“
Schmalband-PLC soll zum Beispiel die ganzheitliche Organisation von Stromnetzen (Smart Grid) verbessern. Das ist gerade bei der Einspeisung von Energie aus regenerativen Energiequellen nötig: Bisher ist das Energieverteilnetz der Energieversorger ein reines Verteilnetz, das heißt es wird Energie erzeugt, ins Netz eingespeist und zu den Verbrauchern transportiert. Das funktioniert gut, wenn Energie zentral in Kraftwerken erzeugt wird und keine Schwankungen auftreten. Wenn Energie aber dezentral erzeugt wird und die Leistung der Energieerzeugung schwankt – was bei regenerativen Energiequellen (zum Beispiel Photovoltaikanlagen) der Fall ist –, kann das problematisch sein. Hier ist eine unmittelbare Regelung des Energieflusses nötig.
Ein weiteres Anwendungsgebiet für Schmalband-PLC sind elektronische Stromzähler (Automatic Meter Reading). Diese müssen laut einem EU-Gesetz seit dem 1.1.2010 in allen Mitgliedsstaaten der EU in jedem Neubau statt der bisher üblichen mechanischen Stromzähler eingebaut werden. Elektronische Stromzähler gibt es zwar schon auf dem Markt, aber deren Systeme sind nicht kompatibel zueinander. Deswegen muss dringend eine einheitliche Technologieplattform entwickelt werden.
Die elektronischen Stromzähler sollen für Transparenz auf dem Energiemarkt sorgen, weil sie sowohl dem Kunden als auch dem Energieversorger regelmäßig den Stromverbrauch übertragen. Weil der Kunde den Stromverbrauch abrufen kann, kann er leichter seinen Energiehaushalt kontrollieren. Das lohnt sich für ihn finanziell insofern, als dass er das Nutzen von elektrischen Geräten, zum Beispiel der Waschmaschine, auf Tageszeiten legen kann, zu denen das Stromnetz nicht ausgelastet ist. Dadurch kann er wiederum seine Stromkosten senken. Für den Energieversorger hat Schmalband-PLC hierbei den Vorteil, dass er die bereits vorhandene Infrastruktur – nämlich das Stromnetz – zur Datenübertragung nutzen kann und sich deswegen keine Lizenzkosten für ihn ergeben.
Das dritte Projektziel kennt man bereits unter dem Stichwort Home Automation. Damit sind Komfortfunktionen im Haus wie automatische Lichtschaltung oder das automatische Regulieren des Heizsystems gemeint; diese schaffen mehr Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Und mit KONNEX gibt es auch schon eine standardisierte technologische Plattform dafür. Aber die Datenübertragung ist hier sehr langsam; sie beträgt nur max. 1 kBit/s. Das Forscherteam will sie auf 100 kBit/s steigern. Damit soll es beispielsweise dem Kunden ermöglicht werden, schnell mit der Webcam im Wohnzimmer zu überprüfen, was die Katze dort gerade macht; unabhängig davon, wo auf der Welt er sich gerade aufhält.
Quelle: TU Dresden
http://www.tu-dresden.de









































