Dünnwandiger Stahlguss: Gießen gegen die Schwerkraft

Stahlbauteile werden vor allem wegen ihrer hohen Festigkeitseigenschaften geschätzt. Durch das Niederdruckguss-Verfahren „3cast“ werden sie auch für den angewandten Leichtbau attraktiv. Das junge Gießereiunternehmen Evosteel, Tochterunternehmen der SHB Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf GmbH, hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem Stahlbauteile mit minimalen Wanddicken von 1,5 bis 4 mm in Großserien hergestellt werden können.

„Die Verfahrensgrenze von konventionellem Stahlguss liegt bei Wanddicken von fünf bis sieben Millimetern“, erklärt Evosteel-Geschäftsführer Dr. Jens Schreiner. Geringere Dicken konnten bisher nur mit teuren Sonderverfahren produziert werden. Durch das von Evosteel entwickelte Verfahren „3cast“ ist Leichtbau mit Stahl jetzt einfacher und kostengünstiger möglich.Das Verfahren basiert auf dem Prinzip des Niederdruckgießens. Bisher wurde diese Technik hauptsächlich im Aluminiumguss angewendet. Beim Niederdruckgießen wird die Schmelze durch ein Steigrohr in den Hohlraum der Gießform gepresst. Der Gussprozess verläuft gegen die Schwerkraft. Der automatisierte Ablauf des „3cast“-Verfahrens und die dabei stets kontrollierbaren Gieß- und Füllparameter ermöglichen die hohe Maßgenauigkeit der Gussbauteile.


Studie einer Stahlgussfelge, die erstmals auf der Hannover Messe 2009 präsentiert wurde.

Neben den hochpräzisen Guss-Ergebnissen hat das Verfahren noch einen weiteren wesentlichen Vorteil. „3cast“ ist in mehrerlei Hinsicht ressourcenschonender als die konventionellen Herstellungsverfahren. Zum einen lässt die thermische Regulierung des Prozesses eine niedrigere Gießtemperatur im Vergleich zum herkömmlichen Stahlguss zu. Damit wird das Material geschont und Energie eingespart. Zum anderen ist der allgemeine Materialaufwand im Niederdruckguss geringer als beim Schwerkraftguss, da nach dem Erstarren des Gussbauteils die nicht benötigte Schmelze zurück in den Ofen fließen kann.„Mit 3cast können auch komplexe Bauteile in einem Arbeitsgang hergestellt werden, die sonst aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden müssten. Zusätzliches Formen und Fügen entfällt. Das spart Zeit, Energie und Gewicht“, so Daniel Minnich, Projektleiter bei Evosteel. Mit den neuen Möglichkeiten des dünnwandigen Stahlgusses und den bekannten Eigenschaften, wie die hohe Festigkeit und die gute Umformbarkeit des Werkstoffs, wird Stahl auch für gewichtsoptimierte Konstruktionsbereiche interessant.

Evosteel entwickelt und produziert bereits für Kunden aus den Bereichen Fahrzeugbau, Nutz- und Landmaschinenbau, Bahnverkehr und Motorsport. Dünnwandiger Stahlguss ist für alle Bereiche des Maschinenbaus eine interessante Alternative, die Bauteile von höchster Stabilität bei möglichst geringem Gewicht benötigen.Die Festigkeit von Stahl, die freie Formgebung durch den Guss und die minimalen Wanddicken machen das Verfahren vor allem für den Fahrzeugbau interessant. Hierbei bieten zum Beispiel die Bereiche Fahrzeugrahmen, Fahrwerk und Aggregatgehäuse große Einsatzpotentiale. Leichtbauteile aus Gussstahl sind in Form von A-Säulen, Achsaufnahmen, Querlenkern, Turboladern und im Gussknotenbereich vorstellbar.

Das Leipziger Stahlgussunternehmen Evosteel belegte mit seinem material- und energieeinsparenden Stahlguss-Verfahren 3cast den vierten Platz beim Ferchau-Innovationspreis 2009, der auf der diesjährigen Hannover Messe 2009 verliehen wurde. Vom 23. bis zum 25. Juni 2009 präsentiert das Unternehmen seine Technik und neueste Entwicklungen auf der Fachmesse für Leichtbaukonstruktion euroLITE in Salzburg.

Evosteel auf der euroLITE, Salzburg, Stand 1103

Schlagworte: Guss, Stahl, Stahlguss, euroLITE 2009, Leichtbau

http://www.evosteel.com

Quelle: Evosteel GmbH, D-04249 Leipzig

Schreibe einen Kommentar